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Mongolei
01. August 2004 | de
14006km unterwegs mit Emma
![]() | Das Buch zur Reise: Fernweh Mit dem Motorrad um die Welt 196 Seiten im Taschenbuchformat mit 41 farbigen Abbildungen und 9 Karten. |
Wir sind nun schon zwei Wochen in der Mongolei. Dort haben wir wieder meine Schwester und Bettina getroffen und sind mit dem Motorrad rumgefahren. Hier ist der Bericht von Leonie:
Leonies Bericht
Hallo Ihr Lieben,
Bettina und ich haben dieses Jahr 3 Wochen Adventure- Motorradfahren in der Mongolei gebucht. Mit einer Woche Verspaetung ging es dann los (hatte ich schon erwaehnt, dass unsere Diplom- Tour- Guides Patrick und Mario sind? Wer sie kennt ist ueberrascht, dass die Verspaetung nicht laenger war!).
Tag 1:
STURM
Unter den Augen einer grossen Zuschauermenge geht es los. Erst mal zum Kartenladen, leider hat dieser schon zu. Unser Vater waere zwar entsetzt, aber: Macht nix- wir werden den Weg schon finden.
Da sich die Abfahrt etwas verzoegert hat schaffen wir es gerade noch im Hellen aus der Stadt raus. Wir finden einen wunderschoenen Campingplatz- fern von jeglichem menschlichen Wesen. Patrick sammelt erst mal getrocknete Scheisse und macht ein Feuer. Es ist ertaunlich, wie toll es brennt- warm, viel Glut, kein Qualm. Da kommt das erste Marlboro Country- Feeling auf!
Ein riesen Sturm zieht auf und in Kuerze liegt unser Zelt flach und Isomatten segeln durch die Gegend. Mario sprintet hinter der Matte her, waehrend wir Maedels es nicht wagen dass Zelt zu verlassen- zu gross ist die Gefahr, dass es auch vom Winde verweht wird. Zum Glueck retten uns nsere patschnassen Diplom- Tour- Guides und spannen unser Zelt gescheit ab!
Naja, an Schlaf ist danach auch nicht zu denken- aber wir finden es klasse.
Tag 2:
OFF-ROAD FAHREN
Tja, die Strasse hoert nach ein paar km auf und die Jungs heizen ueber sandige Pisten. Bettina und ich huepfen wie Gummibaelle hin und her und haben alsbald blaue Hintern. Aber wir sind tapfer und machen gute Miene- schliesslich ist heute ja noch Probetag…
Zum Glueck sind die Jungs auch schnell hungrig und wir machen Pause. Nachdem uns niemand verstehen will und erst recht nix verkaufen will sind wir froh, dass “a very important person of the health departement of mongolia” das Bestellen fuer uns uebernimmt. Er ist ein ziemlicher Schwaetzer und Grabscher- Bettina muss immer fluechten. Trotzdem nehmen wir seine Einladung an- er will uns mit auf eine Party nehmen.
Auf einer Wiese hocken saemtliche weiblichen Krankenhausangestellten und saufen mit uns Vodka. Sie sind ganz begeistert von den Motorraedern und vorallem von Patricks Digicam. Es wird immer lustiger und irgendwann wird noch getanzt.
Wir werden eingeladen, die naechsten Tage bei einer Einheimischen Familie zu verbringen.
Tag 3:
NOMADEN
Unsere Zelte stehen direkt neben den Jurten und werden von den Wachhunden nicht aus den Augen gelassen. Die Mongolen zeigen uns wie man Kuehe, Schafe und Pferde melkt und wir duerfen auch mithelfen. So als Stadtkind scheitern meine Versuche allerdings klaeglich und ich helfe lieber fleissig beim Milch trinken. Lustig ist, dass die Leute hier fast keine Kuhmilch trinken- sie finden vergorene Pferdemilch viel besser. Sie schmeckt ein bisschen wie sehr saure Buttermilch und ist sehr Gewoehnungsbeduerftig.
Ausserdem koennen wir ausreiten und beim Schafe zusammentreiben helfen. Da die Kommunikation zwischen mir und dem Pferd etwas schleppend geht bin ich nicht ungluecklich, dass ich einen Privat- Pferde- Fuehrer bekomme.
Selbst beim Aderlass und beim Schlachten sitzen wir praktisch in der ersten Reihe. Ich schaue lieber den Jungs zu, wie sie die Pferde einfangen und zureiten.
Am Abend sitzen wir mit der ganzen Familie zusammen, trinken Vodka und Stutenmilch, essen Hammelfleisch und machen lustige Spiele. Immer wenn man verliert muss man trinken und singen. Patrick und ich singen fleissig: Einst ging ich am Ufer der Donau entlang, Wir lagen vor Madagaskar und Ihr Kinderlein kommet,..
Tag 4:
ZUVIEL DES GUTEN
Ich lieg im Gras, neben mir die Schafscheisse, mein Bauch tut weh und alle paar Minuten muss ich aufspringen- ich habe mir einen sehr boesen Durchfall und einen Sonnenstich zugezogen. Patrick macht mit- auch er bewegt sich kaum noch und liegt japsend im Schatten. Trinkwasser und Klopapier neigen sich zu Ende und die angebotene Stutenmilch loesst neue Bauchkraempfe aus.
Es hilft nix- wir fahren zurueck ins naechste Hotel. Allerdings kommen wir gar nicht soweit- Patrick fliegt vom Motorrad. Er kann seine Finger nicht mehr bewegen und hat keine Kraft mehr. Da es mir ja auch nicht so prickelnd geht schuette ich Wasser ueber ihn und leg ein nasses Tuch ueber seinen Kopf.
Zum Glueck sind die anderen nicht weit und wir sind sehr gluecklich, dass auch unser “important man” noch bei uns ist. Er bringt uns zur naechsten Jurte, wo wir uns hinlegen koennen und sie Wasser fuer uns abkochen.
Als es wieder besser geht fahren wir ins Krankenhaus. Dort ist jedoch niemand mehr anzutreffen und wir sind auch nicht wirklich ungluecklich den Bunker mit aussenliegendem Plumsklo zu verlassen.
Bald liegen wir in einer ueblen Absteige und schlafen und schlafen und schlafen. Am Abend traumen wir von Griesbrei und Omas Kirschkuchen- statt dessen gibt es Hammelsuppe…
Tag 5:
ABLOESUNG
Mario liegt darnieder und Bettina versucht uns alle zu toppen: sie kotzt uns scheisst was das Zeug haelt. Patrick und ich sind noch schwach, aber auf dem Weg der Besserung (naja, es ist halt nix mehr im Magen- da kann auch nix mehr raus).
Da das Zimmer wirklich schrecklich ist beschliessen wir weiter zu fahren. Bei jeder Pause gibt Bettina noch mal alles, kann sich aber auf dem Motorrad halten. Wir fahren bis zur ehemaligen Hauptstadt (auch hier nur ein paar Bruchbuden und verstaubte Wege) und schlafen aus.
TAG 6:
KULTUR
Heute geniessen wir die Ruhe in der Tempelanlage von Karakorum. Da zu Zeiten des Kommunismus alle Tempel abgerissen wurden und die Moenche nach Sibirien mussten ist das meiste kaputt. Ueberall fehlt Geld und die Anlage sieht ungepflegt aus. Trotzdem hat sie einen ganz eigenen Charme und nach den kranken Tagen kommen wir hier wieder zu Kraft und Ruhe.
Ausserdem gehen Mario, Patrick und ich abend in eine Sauna. Wieso sie keine Tuere hat ist, selbst nach langer Ueberlegung unbegreiflich fuer uns. Naja, so heizen wir eben die Sauna inkl. den ganzen Duschanlage ordentlich ein. Es wird gemuetlich warm.
Tag 7:
AUF ZU NEUEN ABENTEUERN
Wir sind wieder fit. Los geht es in Richtung Wasserfaelle. Das Wort Strassen verdienen die Wege hier gar nicht. Jeder faehrt irgendwie und irgendwo. Darum fuehren meist mehrere Spuren in die gleich Richtung. Durch den Regen und den Wind haben sie oft mehr Schlagloecher und Huegel als die Wiese daneben.
Ein Wort zu den Fahrkuensten unserer Lieben: naja, also generell fahren sie immmer schneller als ich fahren wuerde (was ja nicht so schwer ist). Dadurch habe ich manchmal schon ganz schoen schiss- Patrick bekommt das immer zu spueren wenn ich dann die Beine feste zusammendruecke. Da ich ansonsten aber zwischen den Kanistern, die auf jeder Seite von der Sitzbank festgemacht sind, eingeklemmt bin, hat mein Po nur bei den richtigen Loechern Freiheit- dann spring ich bis zu 30 cm hoch und wenn es dumm laueft lande ich auf den Kanistern- jedesmal ein blauer Fleck. Aber ich bin tapfer und schimpfe nur ganz selten!
Heute mussten aber auch die Jungs und die Motorraeder kaempfen. Wir fanden den Weg nicht so richtig und Patrick ist mit Emma und mir in ein dickes Matschloch gefahren. Da sind wir erst mal stecken geblieben und beim Absteigen ging der Schlamm bis zu den Knien. Zum Glueck haben wir Emma mit vereinten Kraeften dazu ueberreden koennen aus dem Schlamm raus zu kommen.
Zum Glueck gab es noch ein paar reissende Fluesse, so dass wir nicht nur dreckig sondern auch alle noch pitschnass waren. Es ist gar nicht so ohne durch so einen Fluss zu fahren. Mit Anlauf schafft man es bis zur Mitte ganz gut, danach aber muss Fahrer und Motorrad richtig arbeiten. Manchmal klappt es, manchmal musste ich aber auch schnell ansteigen und waehrend Patrick die Emma anfeuerte bin ich hinterher gewatet.
Nach 4 oder 5 Fluessen kamen wir auf die richtige Strasse und bald zum Wasserfall. Er ist wunderschoen! Leider schlotterten uns die Knie und wir wollten nur noch schnell aus den nassen Sachen raus. Darum fand der Wasserfall nicht allzu viel Anerkennung.
Wir fanden einen traumhaften Bilderbuch- Campingplatz. Direkt am Fluss, umgeben von Jaks und Schafen, mit gelegnetlich vorbeischauenden Reitern. Vorallem die Tiere sind immer sehr an Emma und Trond interessiert und als wir morgens aus den Zelten kamen standen mehrere Jaks um die Motorraeder und schauten sie andaechtig an.
Tag 8:
TOURI-HIGHWAY
Es geht zurueck und da wir diesmal die Strasse finden geht alles viel schneller. Bei einem Miniladen kaufen wir essen und waehrend wir zuschauen, wie die Einheimischen auf Pferden zum einkaufen reiten werden wir genauso bestaunt. Man kommt sich vor wie in einer anderen Welt. Die Menschen leben hier noch wie zu Zeiten Chingis Khans. Sie ziehen mit ihren Tieren von Ort zu Ort, leben in ihren Jurten und ernaehren sich von Stutenmilch und Hammelfleisch.
Tag 9:
PFERDERENNEN
Heute ist die Landesmeisterschaft im Pferderennen. Da starten die besten Pferde, Jockeys sind Kinder zwischen 6 und 12 Jahre, die ohne Sattel und ohne Schuhe ueber die Steppe sprengen.
Dieses Ereigniss wollen wir uns nicht entgehen lassen. Leider kommen wir fuer das erste Rennen zu spaet. Darum schlendern wir ueber die Wiesen auf denen ueberall Jurten und Zelte stehen. Wir essen leckere Sachen an den Staenden und schauen das Polo Spiel an.
Dann zieht ein Gewiiter auf und wir beschliessen nicht auf das zweite Rennen zu warten.
Wir wollen bis zum naechsten Fluss fahren und dort Campen. Viele Fluesse, die auf dem Hinweg noch Fluesse sind, sind auf dem Rueckweg nur noch Rinnsale. So fahren wir eine halbe Ewigkeit. Selbst die Off-Road-Piste vom zweiten Tag schaffen wir und zelten dann an einem wunderschoenen Fluss- juppee, endlich mal wieder waschen!
Wir bemerken alle, dass die Fahrt heute viel Angenehmer war als auf der Hinfahrt. Ob das an den verbesserten Kuensten von Patrick und Mario liegt, oder ob Bettina und ich jetzt besser fliegen weiss ich nicht. Auf jeden Fall sind wir ein super Team!
Tag 10:
BACK TO ZIVILISATION
Noch einmal lassen wir die unglaublich schoene und traumhafte weite der Landscahft an uns vorbeiziehen. Hier kann man Freiheit nciht nur fuehlen, sondern leben! Unbeschreiblich!
Wir sind wieder da. Duschen, Waesche waschen, Internet Cafe, Hamburger und Pizza und danach noch ins Kino. So schoen und so lehrreich die Tour auch war, heute sind wir einfach nur froh wieder in der Stadt zu sein!
Jetzt heisst es erst mal Smog geniessen, bevor wir zur naechsten Tour aufbrechen. Am Freitag wollen wir mit einem Jeeb in die Wueste Gobi um von dort dann ueber die Grenze nach China zu fahren. Leider kann die Bettina dann nicht mehr mitkommen, da sie uebermorgen schon wieder heim muss.
...soweit Leonies Bericht. Die zweite Tour haben wir dann doch aus Geld und Zeitmangel bleibenlassen. Dafuer fahren wir heut nach China! :) Die Motorraeder bleiben derweil in der Mongolei weil sie nicht nach China duerfen :( Doch davon spaeter…
Tags:
Ulan Bator
Mongolei
Map:
N 47° 76.286
E 107° 2.588
To logbook | Author: Fernweh
Wordless Wednesday - rainbow camp in the endless plains of Mongolia
17. June 2008 | de

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Created at: 17. June 2008
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