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Schlagwörter von Fernweh: Argentinien Buenos Aires R100GS BMW

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Reiseberichte markiert mit Argentinien Buenos Aires R100GS BMW:

Rückzug - Getriebeschaden, Rücktransport

28. Juli 2005 | de

37262km unterwegs mit Emma




Das Buch zur Reise:


Fernweh

Mit dem Motorrad um die Welt

196 Seiten im Taschenbuchformat mit 41 farbigen Abbildungen und 9 Karten.

Es musste eine Entscheidung getroffen werden. Nicht nur das Getriebe war kaputt auch sonst stand es um Emma nicht zum Besten. Der Anlasser ging nicht mehr. Der Seitenständer war komplett verbogen und nicht mehr zu gebrauchen, der Hauptständer gab langsam seinen Geist auf. Nur unter großer Anstrengung lies Emma sich auf denselben hieven. Es wurde Zeit für eine Generalüberholung.

Doch wo? Mein Geld ging langsam zur Neige. Der ursprüngliche Plan war Emma in La Paz, Bolivien stehen zulassen und vorübergehend heim zufliegen um den Geldbeutel wieder aufzufüllen. Das ging nun nicht mehr. Die nächsten in Frage kommenden Hauptstädte waren Santiago, Buenos Aires oder Lima. Ich entschied mich für Buenos Aires. Dort kannte ich Javier der mir versprach zu helfen. Außerdem hatte ich dort die Möglichkeit das Motorrad für acht Monate stehen zulassen. Doch noch waren wir in Chile. Ich hoffte Emma würde es bis über die Grenze schaffen. Wir nahmen den Jama Pass wieder unter die Räder. Diesmal zum Glück mit Rückenwind. Die Strasse schraubte sich in weiten Bögen in die Höhe was mir sehr entgegen kam. Ich weiß nicht wie ich sonst die Serpentinen nur mit dem ersten und vierten Gang gemeistert hätte. Die Zollprozeduren dauerten diesmal recht lange, so dass wir erst spät abends Susques erreichten. Wir waren total durchgefroren. Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass die Dichtung der Getriebeausgangswelle den Geist aufgegeben hatte. Das Getriebeöl verteilte sich munter über Emmas hintere Hälfte. Wir hatten keine große Wahl. In Susques war kein Ersatz aufzutreiben. Also fuhren wir vorsichtig weiter nach Jujuy.

Nach den Salzseen überquert die Strasse einen Gebirgszug. In Serpentinen führt die Strasse den Berg hinauf. Ich quälte Emma im Vierten hinauf. Nur nicht zu langsam werden. A la Schuhmacher eierten wir auf der Idealllinie um die Kurven. Die Kupplung rauchte. Hinter der letzten Kuppe fiel das Straesschen in tausenden von Serpentinen in ein wunderschönes Tal. Unterschiedliche Mineralien färbten das Gestein. Es gab gelbe, rote, grüne und fast schwarze Berghänge. Der Reiseführer nannte es den siebenfarbenen Berg. Um das Getriebe zu schonen glitten wir ohne Motor im Leerlauf hinab. Wir rollten 35 km weit. Dann war es nicht mehr weit bis Jujuy. Dort gönnten wir Emma neues Getriebeöl und uns Hamburger. In Salta hatte ich einen Bekannten. Frank war zwei Jahre lang mit dem Motorrad durch Südamerika gefahren. Dort hat es ihm anscheinend gut gefallen. Er ist nun schon seit sechs Jahren hier, hat geheiratet und seine eigene Firma aufgemacht. Er organisiert Motorradtouren. Als ich das letzte mal in Salta war sprach er mich auf der Strasse an, drückte mir seine Visitenkarte in die Hand und meinte falls ich Hilfe brauche solle ich mich bei ihm melden. Nun war der Moment gekommen. Es war keine gute Idee mit Emma weiter zu fahren.

Frank half das Motorrad nach Buenos Aires zu schicken. Wir fuhren mit dem Bus hinterher. Lange 24 Stunden. Hinter uns sass eine Mama mit ihrem Kleinkind. Dem gefiel es im Bus wohl auch nicht. Jedenfalls fing es lauthals zu protestieren an. Es schrie sich die Seele aus dem Leib. Nach einer Weile hatte es wahrscheinlich schon längst vergessen warum es eigentlich schrie. Es steigerte sich immer mehr rein. Das Köpfchen war ganz rot vor Anstrengung. Irgendwann schlief es zum Glück erschöpft ein. Schlaf ist ja bekanntlich eine Domäne des Parasympathikus, ebenfalls zuständig für die Ankurbelung des Verdauungsapparates. Jedenfalls zog alsbald eine strenge Duftnote durch den Bus. Nach einer halben Ewigkeit hatte die Mama ein Einsehen und wechselte die Windeln. Dafür begann nun eines der für mich am schlimmsten ertragbaren Geräusche: Schnarchen. Noch schlimmer als Schnarchen ist unregelmäßiges Schnarchen. Man wartet unwillkürlich immer auf den nächsten Atemzug. Meine Ohrenstöpsel retteten die Nacht.

In Buenos Aires brachte ich Emma zu Javier. Emma war recht ungezogen. Sie wollte sich partout nicht ins Getriebe schauen lassen. Das Getriebe ging nicht auf. Nichts half. Weder gutes Zureden, heiß machen noch rohe Gewalt. Javier musste tief in seine Trickkiste greifen bis er nach fünf Tagen ihren Wiederstand brechen konnte. Es stellte sich heraus, dass ein Kugellager den Geist aufgegeben hatte. Wohl ein typisches Problem. Während Emmas Einzelteile in Javiers Laden auf ihre Überholung warteten fuhren Sherrie und ich nach Azul in die Posta del viajero en moto. Es war wie nach Hause kommen. Jorge begrüsste uns unüberschwänglich. Zum Tag der Freundschaft organisierte er ein großes Asado. Für uns ein schöner Abschied aus Argentinien. Fünf Tage später sass ich schon im Flieger nach Deutschland.

Schlagwörter: Argentinien Buenos Aires R100GS BMW Buenos Aires Argentinien
Karte: S 34° 60.608 W 58° 38.958

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